IGeL & Selbstzahlerleistungen: Was lohnt sich wirklich? 2026

Das IGeL-Dilemma: Wenn der Arzt zum Verkäufer wird
Fast jeder gesetzlich Versicherte kennt es: Sie sitzen im Arztzimmer und der Mediziner empfiehlt Ihnen eine zusätzliche Ultraschall-Untersuchung, einen speziellen Bluttest oder eine Messung des Augeninnendrucks.
'Das zahlt die Kasse leider nicht, aber es wäre sehr empfehlenswert', heißt es oft. Viele Patienten fühlen sich in dieser Situation überrumpelt. Was als gute Vorsorge verkauft wird, ist oft eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) — und damit eine reine Privatleistung.
Aber Vorsicht: Die GKV zahlt grundsätzlich alles, was medizinisch notwendig, zweckmäßig und wirtschaftlich ist. IGeL-Leistungen sind oft Untersuchungen, deren medizinischer Nutzen aus Sicht des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) noch nicht zweifelsfrei durch Studien bewiesen ist.
Typische IGeL-Preise 2026: Ein Überblick
Die Abrechnung von IGeL-Leistungen darf vom Arzt nicht völlig frei erfunden werden, sondern muss sich nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) richten. Die Kosten schwanken dennoch (meist zwischen dem 1,0-fachen und 2,3-fachen Satz).
— Augeninnendruckmessung (Glaukom-Früherkennung): ca. 20 bis 40 €
— Zusätzlicher Ultraschall der Eierstöcke / Gebärmutter: ca. 35 bis 55 €
— PSA-Test (Prostatakrebs-Früherkennung): ca. 25 bis 50 €
— Ultraschall Untersuchung für Schwangere (Baby-TV): ca. 40 bis 150 €
— Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels (auf eigenen Wunsch): ca. 25 bis 40 €
Beachten Sie: Wenn bei Ihnen konkrete Beschwerden vorliegen (z.B. starker Verdacht auf einen Vitamin-D-Mangel mit diagnostizierbaren Symptomen), darf der Arzt den Test über die Versichertenkarte abrechnen!
Ihre Patientenrechte bei IGeL
Wenn Sie sich für eine private Zusatzbehandlung beim Kassenarzt entscheiden, sind formale Hürden zu nehmen. Eine IGeL-Leistung kommt nur durch einen schriftlichen Behandlungsvertrag zwischen Ihnen und dem Arzt zustande, in dem die Kosten nach GOÄ exakt benannt sind.
Sie dürfen niemals zur Unterschrift gedrängt werden! Der Arzt muss Ihnen Bedenkzeit einräumen. Nehmen Sie die Unterlagen mit nach Hause und informieren Sie sich in Ruhe.
Alternativmedizin und Heilpraktiker
Ein riesiger Sektor der Selbstzahlerleistungen entfällt in Deutschland auf Heilpraktiker (z. B. Homöopathie, Osteopathie, traditionelle chinesische Medizin).
Auch hier gilt: Die GKV übernimmt standardmäßig nichts. Einige Krankenkassen locken jedoch mit sogenannten Satzungsleistungen und erstatten als Marketing-Instrument teilweise die Kosten für ärztlich verordnete Osteopathie (z.B. 40 € Zuschuss für 3 bis 6 Sitzungen im Jahr).
Eine Sitzung beim Heilpraktiker kostet Sie — oft angelehnt an das ungebundene Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH) — zwischen 60 und 120 €. Um nicht auf den gesamten Kosten sitzenzubleiben, lohnt sich oft nur eine spezielle Heilpraktiker-Zusatzversicherung (Kostenfaktor 20 bis 40 € monatlich).
Fazit: Lohnt sich IGeL?
Die klare Regelung: Sie bekommen in Deutschland in der Regel keine lebensrettende Maßnahme als IGeL angeboten. IGeL sind oft Zusatz-Komfort oder zusätzliche, oft unnötige Diagnostik beim gesunden Patienten.
Nutzen Sie vor jeder IGeL-Unterschrift den IGeL-Monitor oder sprechen Sie mit Ihrer Krankenkasse. Und vergessen Sie nicht: Lehnen Sie IGeL ab, darf Ihr Arzt Sie deswegen in keinem Fall benachteiligen oder die Regelversorgung verweigern.
Quellen & Referenzen
- Verbraucherzentrale Bundesverband: Ratgeber Individuelle Gesundheitsleistungen
- Medizinischer Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS): IGeL-Monitor (igel-monitor.de)
- Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH)
Häufig gestellte Fragen
Muss der Arzt mich vorher auf die Kosten hinweisen?
Ja. Und das nicht nur mündlich. Bevor die Nadel gesetzt oder das Ultraschallgerät angeschaltet wird, müssen Sie einen Vertrag unterschrieben haben. Tun Sie das nicht, hat der Arzt keinen rechtlichen Anspruch auf Bezahlung der privaten Rechnung.
Kann ich IGeL-Rechnungen bei der Steuer absetzen?
Grundsätzlich ja, IGeL gelten als Krankheitskosten bei den 'außergewöhnlichen Belastungen'. Allerdings erreichen die Beträge (oft 40 bis 80 €) einzeln fast nie die hohe Hürde der 'zumutbaren Eigenbelastung' (meist mehrere Tausend Euro), weshalb sie sich steuerlich de facto oft nicht auswirken.
Gibt es IGeL-Zusatzversicherungen?
Direkte IGeL-Versicherungen sind selten. Vielmehr handelt es sich um Ambulante Zusatzversicherungen, die z.B. Vorsorgeuntersuchungen, Naturheilverfahren oder Zuzahlungen bei Sehhilfen erstatten. Rechnen Sie genau durch, ob sich die hohen monatlichen Prämien lohnen.
Ist die Professionelle Zahnreinigung (PZR) eine IGeL?
Streng genommen ist die PZR eine private Leistung nach der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ, Ziffer 1040) und keine Regelversorgung der GKV. Viele Krankenkassen gewähren jedoch mittlerweile freiwillige Zuschüsse zur PZR als Bonusleistung (oft 40 bis 60 € im Jahr).