Krankengeld-Tabelle 2026: Höchstkrankengeld, Berechnung & Höhe
Wer als gesetzlich Versicherter längerfristig krank wird, erhält zunächst Entgeltfortzahlung vom Arbeitgeber (6 Wochen, 100 % Gehalt) und danach Krankengeld von der GKV (max. 78 Wochen, ca. 70 % brutto / 90 % netto).
Die 78-Wochen-Frist gilt pro Krankheit innerhalb von 3 Jahren. Danach endet der Anspruch (Aussteuerung). Der Übergang in Arbeitslosengeld, Erwerbsminderungsrente oder Rehabilitation muss rechtzeitig geplant werden.
Die folgende Tabelle zeigt die Phasen der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall mit ihren Berechnungsgrundlagen und Fristen.
| Phase | Zeitraum | Wer zahlt? | Höhe | Details |
|---|---|---|---|---|
| 1. Entgeltfortzahlung | Tag 1 – Woche 6 | Arbeitgeber | 100 % des Gehalts | Bruttogehalt inkl. regelmäßiger Zulagen. Gilt für alle Arbeitnehmer ab 4 Wochen Beschäftigung. |
| 2. Krankengeld | Woche 7 – Woche 78 | Krankenkasse (GKV) | 70 % brutto / max. 90 % netto | Maximal ca. 120 €/Tag brutto (2026). Abzüge: Renten-, Pflege-, ALV-Beitrag. |
| 3. Aussteuerung | Ab Woche 79 | Kein Krankengeld mehr | 0 € | Anspruch auf Krankengeld endet. Meldung bei Agentur für Arbeit spätestens 3 Monate vorher. |
| 4a. Arbeitslosengeld I | Nach Aussteuerung | Agentur für Arbeit | 60 % (67 % mit Kind) | Nahtlosigkeitsregelung (§ 145 SGB III): ALG I auch bei weiter bestehender Arbeitsunfähigkeit. |
| 4b. Erwerbsminderungsrente | Bei dauerhafter Erkrankung | Deutsche Rentenversicherung | Ca. 30–40 % des letzten Gehalts | Voraussetzung: Mindestens 5 Jahre Rentenversicherung, medizinisches Gutachten. |
| 4c. Rehabilitation | Vor/nach Aussteuerung | DRV oder GKV | Übergangsgeld: ca. 68–75 % netto | Reha vor Rente. 3–6 Wochen stationär oder ambulant. Zuzahlung 10 €/Tag. |
| Mini-Job / Geringfügig Beschäftigte | — | Kein Anspruch | 0 € | Geringfügig Beschäftigte (520-€-Job) haben keinen Krankengeldanspruch. Nur Entgeltfortzahlung. |
| Selbstständige (GKV) | Ab Tag 43 (oder Wahltarif) | Krankenkasse | Ca. 70 % des Arbeitseinkommens | Nur mit Krankengeld-Wahltarif oder voller Beitragssatz (14,6 %). Beginn oft erst ab Tag 43. |
| PKV — Krankentagegeld | Ab vereinbartem Tag (z. B. Tag 43) | Private Versicherung | Vereinbarter Tagessatz | Höhe frei wählbar bei Vertragsschluss. Kosten: ca. 20–80 €/Monat. |
| Arbeitsunfall / Berufskrankheit | Gesamte Dauer | Berufsgenossenschaft (BG) | Verletztengeld: 80 % brutto | Höher als normales Krankengeld. BG übernimmt auch Behandlung und Reha vollständig. |
Hinweise
- •Krankengeld-Berechnung: 70 % des Brutto-Regelentgelts, gedeckelt auf 90 % des Netto-Regelentgelts — es gilt der niedrigere Betrag. Vom Krankengeld werden Arbeitnehmer-Anteile für Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung abgezogen (ca. 12 %).
- •Rechenbeispiel (3.500 € brutto): 70 % von 3.500 € = 2.450 € brutto. Abzüge (ca. 12 %): 294 €. Netto-Krankengeld: ca. 2.156 € / Monat (ca. 72 € / Tag). Vergleich: Nettogehalt wäre ca. 2.400 €.
- •Höchst-Krankengeld 2026: Ca. 120 € brutto / Tag (Beitragsbemessungsgrenze: 66.150 € / Jahr ÷ 365 × 70 %). Netto nach Abzügen: ca. 106 €/Tag = ca. 3.180 € / Monat.
- •78-Wochen-Regel: Der Anspruch gilt für dieselbe Krankheit innerhalb von 3 Jahren. Tritt nach ≥ 6 Monaten Arbeitsfähigkeit dieselbe Krankheit erneut auf, beginnt eine neue 78-Wochen-Frist. Bei einer anderen Krankheit läuft eine separate Frist.
- •Stufenweise Wiedereingliederung (Hamburger Modell): Während der Wiedereingliederung erhalten Sie weiterhin Krankengeld — nicht den vollen Lohn. Der Arbeitgeber kann freiwillig Zuschüsse zahlen.
- •Meldepflichten: Sie müssen die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ab dem 4. Tag beim Arbeitgeber vorlegen (manche Arbeitgeber verlangen sie ab Tag 1). Seit 2023 erfolgt die AU elektronisch (eAU) direkt vom Arzt an die Kasse.
- •Kündigung während Krankheit: Kündigung während Krankheit ist nicht generell verboten. Aber: Das Krankengeld läuft weiter, auch wenn das Arbeitsverhältnis endet — maximal bis zur 78. Woche.
- •Aussteuerung planen: Spätestens 3 Monate vor Ende des Krankengelds bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden (Nahtlosigkeitsregelung). Gleichzeitig Reha- oder Rentenantrag bei der DRV stellen.
- •Höchstkrankengeld 2026 — Brutto: Beitragsbemessungsgrenze 66.150 € ÷ 365 Tage = 181,23 € Regelentgelt × 70 % = 126,86 € brutto/Tag = ca. 3.806 €/Monat. Dieses Maximum gilt unabhängig vom tatsächlichen Gehalt.
- •Höchstkrankengeld 2026 — Netto: Vom Brutto-Krankengeld werden ca. 12 % Sozialversicherungsbeiträge abgezogen (Rente 9,3 %, Pflege 1,7 %, ALV 1,3 %). Netto-Maximum: ca. 111,63 €/Tag = ca. 3.349 €/Monat. Zum Vergleich: Das Netto-Höchstgehalt bei der Beitragsbemessungsgrenze liegt bei ca. 3.800 €.
Quellen & Referenzen
- BMG – Bundesministerium für Gesundheit: Krankengeld — Anspruch und Berechnung
- SGB V §§ 44–51: Krankengeld — gesetzliche Grundlagen
- GKV-Spitzenverband: Beitragsbemessungsgrenze und Krankengeld-Höchstsatz 2026
- Bundesagentur für Arbeit: Nahtlosigkeitsregelung (§ 145 SGB III)
- DRV – Deutsche Rentenversicherung: Übergangsgeld und Erwerbsminderungsrente
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist Krankengeld?
70 % vom Brutto, maximal 90 % vom Netto — es gilt der niedrigere Betrag. Davon werden noch ca. 12 % Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. Beispiel: Bei 3.500 € brutto erhalten Sie netto ca. 2.156 €/Monat Krankengeld (statt ca. 2.400 € Nettolohn).
Wie lange bekommt man Krankengeld?
Maximal 78 Wochen (ca. 18 Monate) für dieselbe Krankheit innerhalb von 3 Jahren. In den ersten 6 Wochen zahlt der Arbeitgeber Entgeltfortzahlung (100 % Gehalt). Ab Woche 7 übernimmt die Krankenkasse das Krankengeld.
Was passiert nach 78 Wochen Krankengeld?
Aussteuerung — das Krankengeld endet. Sie müssen sich spätestens 3 Monate vorher bei der Agentur für Arbeit melden. Optionen: 1) Arbeitslosengeld I (Nahtlosigkeitsregelung), 2) Erwerbsminderungsrente (bei dauerhafter Erkrankung), 3) Rehabilitation (Reha vor Rente).
Bekommen Selbstständige Krankengeld?
Nur mit dem vollen Beitragssatz (14,6 %) oder einem Krankengeld-Wahltarif. Selbstständige, die den ermäßigten Beitragssatz (14,0 %) zahlen, haben keinen Krankengeldanspruch. Das gesetzliche Krankengeld beginnt für Selbstständige meist erst ab dem 43. Tag. Private Krankentagegeld-Versicherungen bieten mehr Flexibilität.
Wird Krankengeld versteuert?
Krankengeld ist steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet: Es wird nicht direkt besteuert, aber in der Steuererklärung dem zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet. Dadurch kann sich der Steuersatz für übriges Einkommen erhöhen.
Was ist die Nahtlosigkeitsregelung?
§ 145 SGB III: ALG I auch bei fortbestehender Arbeitsunfähigkeit. Wenn das Krankengeld ausläuft und Sie nicht arbeitsfähig sind, erhalten Sie trotzdem ALG I — bis eine Erwerbsminderungsrente bewilligt wird. Voraussetzung: Meldung bei der Agentur für Arbeit.
Kann mein Arbeitgeber mich während Krankheit kündigen?
Ja, aber mit hohen Hürden. Eine Kündigung während Krankheit ist nicht verboten, erfordert aber eine negative Gesundheitsprognose und erhebliche betriebliche Beeinträchtigungen. Das Krankengeld läuft nach Kündigung weiter bis maximal 78 Wochen.
Was ist der Unterschied zwischen Krankengeld und Verletztengeld?
Verletztengeld ist höher und wird von der Berufsgenossenschaft gezahlt. Bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten erhalten Sie 80 % brutto (statt 70 %). Außerdem übernimmt die BG die kompletten Behandlungskosten — ohne GKV-Zuzahlungen. Der Anspruch ist zeitlich nicht auf 78 Wochen begrenzt.
Wie hoch ist das Höchstkrankengeld 2026 (brutto und netto)?
Brutto max. ca. 126,86 €/Tag (3.806 €/Monat), netto max. ca. 111,63 €/Tag (3.349 €/Monat). Die Obergrenze ergibt sich aus der Beitragsbemessungsgrenze von 66.150 €/Jahr. Wer weniger verdient, erhält entsprechend weniger — immer 70 % vom Brutto, gedeckelt auf 90 % vom Netto.
Wie berechnet man Krankengeld nach 6 Wochen?
70 % des Bruttogehalts, maximal 90 % des Nettogehalts — der niedrigere Wert gilt. Beispiel bei 4.000 € brutto (ca. 2.700 € netto): 70 % von 4.000 = 2.800 €. Aber: 90 % von 2.700 = 2.430 €. Es gilt 2.430 € abzüglich ca. 12 % Sozialabgaben = ca. 2.138 €/Monat netto Krankengeld.