Krankengeld 2026: Höhe, Berechnung, Höchstkrankengeld & 78-Wochen-Frist

Krankengeld 2026: Höhe, Berechnung, Höchstkrankengeld & 78-Wochen-Frist

14.03.202615 Min. LesezeitAktualisiert: 14.03.2026

Was ist Krankengeld?

Krankengeld ist eine Lohnersatzleistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die Arbeitnehmer erhalten, wenn sie länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sind. Es soll den Verdienstausfall zumindest teilweise kompensieren und ist in den §§ 44–51 SGB V geregelt.

Der Anspruch auf Krankengeld entsteht automatisch für alle GKV-Pflichtversicherten mit Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Nicht anspruchsberechtigt sind: Familienversicherte, geringfügig Beschäftigte (520-€-Job) und freiwillig Versicherte mit dem ermäßigten Beitragssatz (14,0 %).

In den ersten 6 Wochen einer Erkrankung zahlt der Arbeitgeber 100 % des Gehalts als Entgeltfortzahlung (§ 3 EntgFG). Erst danach springt die Krankenkasse mit dem Krankengeld ein — das allerdings deutlich niedriger ist als das bisherige Gehalt.

Krankengeld berechnen: Die Formel

Die Berechnung des Krankengeldes folgt einer klaren Formel mit zwei Obergrenzen:

  • Stufe 1: 70 % des Brutto-Regelentgelts (§ 47 Abs. 1 SGB V)
  • Stufe 2: Maximal 90 % des Netto-Regelentgelts
  • Es gilt der niedrigere Betrag.
  • Stufe 3: Abzug der Arbeitnehmeranteile für Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (ca. 12 %)

Brutto-Gehalt70 % BruttoNetto-Gehalt90 % NettoKG brutto (niedrigerer Wert)KG netto (−12 %)
2.500 €1.750 €1.750 €1.575 €1.575 €ca. 1.386 €
3.500 €2.450 €2.400 €2.160 €2.160 €ca. 1.901 €
4.500 €3.150 €2.900 €2.610 €2.610 €ca. 2.297 €
5.512 € (BBG)3.859 €3.400 €3.060 €3.060 €ca. 2.693 €

Das Regelentgelt umfasst das regelmäßige Arbeitsentgelt der letzten 12 Monate vor der Arbeitsunfähigkeit — ohne einmalige Zahlungen wie Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld. Nutzen Sie unseren Krankengeld-Rechner für eine individuelle Berechnung.

Höchstkrankengeld 2026: Brutto & Netto

Das Höchstkrankengeld wird durch die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) der GKV begrenzt. Für 2026 gilt:

KennzahlWert 2026
Beitragsbemessungsgrenze (BBG)66.150 €/Jahr = 5.512,50 €/Monat
Kalendertägliches Regelentgelt66.150 ÷ 365 = 181,23 €
Höchst-KG brutto/Tag181,23 × 70 % = 126,86 €
Höchst-KG brutto/Monat126,86 × 30 = ca. 3.806 €
Abzüge (ca. 12 %)Rente 9,3 % + Pflege 1,7 % + ALV 1,3 %
Höchst-KG netto/Tagca. 111,63 €
Höchst-KG netto/Monatca. 3.349 €

Wer mehr als die BBG verdient, erhält trotzdem maximal das Höchstkrankengeld. Die BBG steigt jährlich — 2025 lag sie noch bei 62.100 €/Jahr, die Steigerung 2026 beträgt damit +6,5 %.

Krankengeld nach 6 Wochen: Der Übergang

Der Übergang von der Entgeltfortzahlung zum Krankengeld erfolgt nahtlos — aber der finanzielle Einschnitt ist erheblich:

PhaseZeitraumZahlerHöhe
EntgeltfortzahlungTag 1 – Woche 6Arbeitgeber100 % des Bruttogehalts
KrankengeldAb Woche 7GKV (Krankenkasse)ca. 60–65 % netto des Gehalts

Wichtig: Seit 2023 übermittelt der Arzt die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) elektronisch direkt an die Krankenkasse. Sie müssen die AU nicht selbst einreichen — aber den Arbeitgeber weiterhin informieren.

Die Krankenkasse prüft den Krankengeld-Antrag und beginnt mit der Zahlung in der Regel innerhalb von 1–2 Wochen nach Ende der Entgeltfortzahlung. Stellen Sie sicher, dass Ihre Bankverbindung bei der Kasse aktuell ist.

78-Wochen-Frist & Aussteuerung

Der Anspruch auf Krankengeld ist auf maximal 78 Wochen (546 Tage) für dieselbe Krankheit innerhalb von 3 Jahren begrenzt (§ 48 SGB V). Die 6 Wochen Entgeltfortzahlung zählen mit.

Wichtige Sonderregeln zur Frist:

  • Bei einer neuen, anderen Krankheit beginnt eine separate 78-Wochen-Frist — auch wenn Sie bereits wegen einer anderen Krankheit Krankengeld beziehen.
  • Sind Sie mindestens 6 Monate arbeitsfähig und erkranken erneut an derselben Krankheit, beginnt eine neue 78-Wochen-Frist.
  • Die Blockfrist (3-Jahres-Fenster) beginnt mit dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit für diese Diagnose.

Nach 78 Wochen endet der Krankengeldanspruch — man spricht von Aussteuerung. Die Krankenkasse informiert Sie ca. 3 Monate vorher. Ab diesem Zeitpunkt müssen Sie aktiv werden:

  • Meldung bei der Agentur für Arbeit — mindestens 3 Monate vor Ende des Krankengeldes
  • Reha-Antrag bei der DRV (Deutsche Rentenversicherung) — „Reha vor Rente"
  • Erwerbsminderungsrente beantragen — wenn eine dauerhafte Erwerbsunfähigkeit absehbar ist

Krankengeld für Selbstständige

Selbstständige in der GKV haben nur unter bestimmten Bedingungen Anspruch auf Krankengeld:

BeitragssatzKrankengeld-AnspruchBeginn
14,6 % (voller Satz)Ja, gesetzlicher AnspruchAb Tag 43
14,0 % (ermäßigter Satz)Kein Anspruch
Wahltarif KrankengeldJa, ab gewähltem TagAb Tag 15, 22 oder 43

Tipp für Selbstständige: Der ermäßigte Beitragssatz spart monatlich ca. 40–80 €, aber der Krankengeldanspruch entfällt komplett. Alternative: Eine private Krankentagegeldversicherung (ca. 20–80 €/Monat, je nach Alter und gewünschtem Tagessatz). Vergleichen Sie den Preis über unseren PKV-GKV-Vergleichsrechner.

Arbeitslosengeld nach Krankengeld: Nahtlosigkeitsregelung

Die Nahtlosigkeitsregelung (§ 145 SGB III) ist ein wichtiges Sicherheitsnetz: Wenn das Krankengeld endet und Sie weiterhin arbeitsunfähig sind, erhalten Sie trotzdem Arbeitslosengeld I (ALG I).

Voraussetzungen:

  • Meldung bei der Agentur für Arbeit mindestens 3 Monate vor Ende des Krankengeldes
  • Sie waren in den letzten 30 Monaten mindestens 12 Monate sozialversicherungspflichtig beschäftigt
  • Ein Rentenantrag wurde gestellt (die DRV prüft, ob Erwerbsminderung vorliegt)

ALG I-Höhe: Ca. 60 % des letzten Nettogehalts (67 % mit Kindern). Das ALG I läuft, bis die DRV über den Rentenantrag entschieden hat. Weitere Informationen zu Ihren Ansprüchen finden Sie im GKV-Zuzahlungen Leitfaden.

Krankengeld versteuern: Progressionsvorbehalt

Krankengeld ist steuerfrei — unterliegt aber dem sogenannten Progressionsvorbehalt (§ 32b EStG). Das bedeutet:

  • Das Krankengeld wird nicht direkt besteuert.
  • Es wird aber bei der Steuererklärung zum zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet, um den persönlichen Steuersatz zu ermitteln.
  • Der höhere Steuersatz wird dann auf das übrige steuerpflichtige Einkommen angewandt.

Praxisbeispiel: Wenn Sie 6 Monate lang Krankengeld von 2.000 €/Monat erhalten (= 12.000 € Krankengeld) und daneben noch 20.000 € steuerpflichtiges Einkommen haben, berechnet das Finanzamt den Steuersatz für 32.000 € — wendet ihn aber nur auf die 20.000 € an. Das kann eine Steuernachzahlung von 500–1.500 € bedeuten.

Die Krankenkasse meldet das ausgezahlte Krankengeld automatisch ans Finanzamt. Nutzen Sie unsere Krankengeld-Tabelle für eine Übersicht aller Phasen und Berechnungsgrundlagen.

Quellen & Referenzen

  • BMG – Bundesministerium für Gesundheit: Krankengeld — Anspruch und Berechnung
  • SGB V §§ 44–51: Krankengeld — gesetzliche Grundlagen
  • GKV-Spitzenverband: Beitragsbemessungsgrenze 2026 — 66.150 €/Jahr
  • Bundesagentur für Arbeit: Nahtlosigkeitsregelung (§ 145 SGB III)
  • DRV – Deutsche Rentenversicherung: Übergangsgeld und Erwerbsminderungsrente

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist das Krankengeld 2026?

70 % vom Brutto, maximal 90 % vom Netto — es gilt der niedrigere Betrag. Davon werden ca. 12 % Sozialabgaben abgezogen. Das Höchstkrankengeld liegt 2026 bei ca. 126,86 €/Tag brutto (ca. 3.806 €/Monat) bzw. ca. 111,63 €/Tag netto (ca. 3.349 €/Monat).

Wie berechnet man Krankengeld nach 6 Wochen?

70 % des Bruttogehalts, gedeckelt auf 90 % des Nettogehalts — der niedrigere Wert gilt. Beispiel: Bei 4.000 € brutto (ca. 2.700 € netto): 70 % von 4.000 = 2.800 €. Aber: 90 % von 2.700 = 2.430 €. Es gilt 2.430 € minus ca. 12 % Sozialabgaben = ca. 2.138 €/Monat netto.

Wie lange bekommt man Krankengeld?

Maximal 78 Wochen (ca. 18 Monate) für dieselbe Krankheit innerhalb von 3 Jahren. Die 6 Wochen Entgeltfortzahlung vom Arbeitgeber zählen mit. Bei einer neuen Krankheit beginnt eine separate 78-Wochen-Frist.

Was passiert nach 78 Wochen Krankengeld (Aussteuerung)?

Das Krankengeld endet. Sie müssen sich mindestens 3 Monate vorher bei der Agentur für Arbeit melden. Optionen: 1) ALG I über die Nahtlosigkeitsregelung (§ 145 SGB III), 2) Erwerbsminderungsrente bei dauerhafter Erkrankung, 3) Rehabilitation (Reha vor Rente).

Bekommen Selbstständige Krankengeld?

Nur mit dem vollen Beitragssatz (14,6 %) oder einem Krankengeld-Wahltarif. Der ermäßigte Satz (14,0 %) schließt Krankengeld aus. Beginn: frühestens ab Tag 43. Alternative: private Krankentagegeldversicherung.

Wird Krankengeld versteuert?

Krankengeld ist steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Es erhöht den persönlichen Steuersatz auf übriges Einkommen. Steuernachzahlung von 500–1.500 € pro Jahr ist möglich.