Was kostet Psychotherapie in Deutschland?

Was kostet Psychotherapie in Deutschland?

07.03.20267 Min. LesezeitAktualisiert: 14.03.2026

Was kostet eine Psychotherapie?

Die Kosten einer Psychotherapie hängen davon ab, ob Sie gesetzlich oder privat versichert sind — und ob Sie als Selbstzahler oder über die Kasse behandelt werden.

Eine einzelne Therapiesitzung (50 Minuten) kostet nach der Gebührenordnung für Psychotherapeuten (GOP) zwischen 130 € und 170 € (Selbstzahler, 2,3- bis 3,5-facher Satz). Eine vollständige Langzeittherapie mit 60–80 Sitzungen kann somit 8.000–14.000 € kosten.

Übernahme durch die gesetzliche Krankenkasse

Die GKV übernimmt die vollen Kosten einer Psychotherapie, wenn sie medizinisch notwendig ist und von einem approbierten Psychotherapeuten mit Kassensitz durchgeführt wird. Es gibt keine Zuzahlung.

Voraussetzungen: Psychotherapeutische Sprechstunde (50 Min.), danach probatorische Sitzungen (2–4 Stunden), dann Antrag auf Bewilligung bei der Kasse.

Kontingent: Kurzzeittherapie: 24 Sitzungen. Langzeittherapie: 60 Sitzungen (Verhaltenstherapie) bzw. 100 Sitzungen (tiefenpsychologisch/analytisch). Verlängerung möglich.

Die drei Richtlinienverfahren, die von der Kasse bezahlt werden: Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und analytische Psychotherapie. Seit 2020 auch Systemische Therapie.

Kostenerstattungsverfahren

Wenn Sie keinen Kassensitz-Therapeuten in zumutbarer Wartezeit finden, können Sie das Kostenerstattungsverfahren nutzen. Dabei behandelt ein approbierter Therapeut ohne Kassensitz auf Rechnung, und die GKV erstattet die Kosten.

So funktioniert es: 1) Dokumentieren Sie, dass Sie bei mindestens 3–5 Kassensitz-Therapeuten abgelehnt oder auf Wartelisten stehen. 2) Beantragen Sie die Kostenerstattung bei Ihrer Kasse. 3) Beginnen Sie die Therapie beim Privattherapeuten.

Wichtig: Nicht alle Kassen genehmigen das Verfahren problemlos. Bei Ablehnung können Sie Widerspruch einlegen. Die Erfolgsquote bei Widersprüchen ist hoch.

Kosten für Selbstzahler

Als Selbstzahler haben Sie freie Therapeutenwahl, kürzere Wartezeiten und volle Privatsphäre (keine Meldung an die Kasse). Die Kosten im Überblick:

TherapieformSitzungenGesamtkosten
Einzelsitzung (50 Min.)1130–170 €
Kurzzeittherapie12–241.600–4.100 €
Langzeittherapie60+8.000–14.000 €

Die häufig abgerechnete GOÄ-Ziffer 812a liegt beim 2,3-fachen Satz bei 134,06 €. Einige Therapeuten bieten einkommensabhängige Staffelpreise an — besonders in der Ausbildung befindliche Therapeuten bieten günstigere Sätze an.

Private Krankenversicherung (PKV)

Die meisten PKV-Tarife übernehmen Psychotherapie — die Konditionen variieren jedoch stark. Typisch sind 20–50 Sitzungen pro Jahr, manche Tarife decken unbegrenzt ab.

Wichtig bei der PKV: Die Erstattung nach GOP basiert auf dem 2,3-fachen Satz (ca. 134 € pro Sitzung nach GOÄ 812a). Höhere Sätze erfordern eine Begründung. Klären Sie den Umfang vorab mit Ihrer Versicherung.

Quellen & Referenzen

  • BPtK – Bundespsychotherapeutenkammer: Wartezeiten-Studie 2024
  • G-BA – Gemeinsamer Bundesausschuss: Psychotherapie-Richtlinie (2025)
  • KBV – Kassenärztliche Bundesvereinigung: Terminservicestelle
  • DPtV – Deutscher Psychotherapeuten Verband: Orientierungspunktwert 2025

Häufig gestellte Fragen

Zahlt die Krankenkasse Psychotherapie komplett?

Ja, die GKV übernimmt 100 % der Kosten bei Richtlinientherapie. Es gibt keine Zuzahlung für Psychotherapie. Voraussetzung: Behandlung durch einen Therapeuten mit Kassensitz oder über das Kostenerstattungsverfahren.

Wie lange dauert es, einen Therapieplatz zu bekommen?

Durchschnittlich 3–6 Monate in Deutschland. Die Wartezeit variiert regional stark — in Großstädten oft kürzer, auf dem Land deutlich länger. Die Terminservicestelle (Tel. 116 117) kann innerhalb von 4 Wochen einen Termin für die psychotherapeutische Sprechstunde vermitteln.

Kann ich auch Online-Therapie über die Kasse machen?

Videogestützte Therapie wird von der Kasse übernommen. Seit der Pandemie können Richtlinien-Therapeuten bis zu 100 % der Sitzungen per Video durchführen. Reine App-basierte Angebote werden ebenfalls von manchen Kassen übernommen, ersetzen aber keine vollständige Psychotherapie.